gregor glück – teil 2


Ein Versuch ohne Romantik & andere schöne Gefühle 😉

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2.

Barnabas Beten lebte seit acht Monaten am östlichen Ende einer absoluten Einöde. Er war mit 46 Jahren der mit Abstand jüngste gemeldete Einwohner.
Das Anwesen, welches sein Großonkel ihm vererbt hatte, war mit einem Haufen Schulden belegt. Er hatte das Erbe angenommen, ohne sich darüber im Klaren gewesen zu sein, was das bedeutete. Zum ersten Mal im Leben erhielt er etwas einfach so. Wie hätte er dabei den geringsten Zweifel hegen und nein sagen sollen.

Er hatte seine Zelte in der Stadt abgebrochen und sich in sein neues Leben zurückgezogen. Zu irgend etwas musste diese Entwicklung gut sein, und das würde er heraus finden. Er gehörte zu den Menschen, die an das Schicksal glaubten. Und wenn das Schicksal ihm nicht in den Kram passte, half er mit schwerwiegenden Argumenten nach.
Er maß knapp zwei Meter und brachte 240 Pfund auf die Wage, und er sah auf eine mittelmäßige Boxkarriere zurück. Die meisten Preisgelder hatte er in Frauen, kostspielige Partys und Spielautomaten gesteckt. Mit den letzten Ersparnissen regelte er die Abzahlungen der Erbschulden während der ersten Monate.

In der Stadt schuldeten ihm ein paar Bekannte noch einen Gefallen. Sie sammelten systematisch heruntergefallene Elektrogeräte, ungesicherte Fahrräder und die Einnahmen von Bordsteinschwalben aus billigen Seitenstraßen, und halfen ihm so, das Geld für ein komplettes Jahr aufzutreiben.
In der Zwischenzeit dachte er darüber nach, wie er sein Auskommen künftig bestreiten würde. Mit der Bank handelte er niedrige Raten aus. Eine Zwangsversteigerung war deren letzter Wunsch, was der Lage entsprechend verständlich war.
Barnabas Beten kam ihnen bezüglich ihrer Sicherheiten gelegen, denn er kümmerte sich um Haus und Hof und überließ es somit keinen Wegelagerern oder dem altersgemäßen Verfall.
Im Gegenteil, er steckte viel Geld in die Renovierung. Auffallend emsig war er im Bereich des Gewölbekellers zugange. Dabei arbeitete er die meiste Zeit allein. Nur selten besuchten ihn seine Kumpels aus der Stadt und legten Hand mit an.

Erstaunt musterte Barnabas den schmächtigen Typen in der albernen Jacke. Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Rübenbauer Besuch hatte. Hinter ihm sprang der Hund an der Kette und überschlug sich. Er jaulte auf, verstummte augenblicklich und zog sich in seine Hütte zurück. Barnabas trat ein und schloss langsam die Tür.
»Was machst du hier?«
»Äh … und Sie sind?«
»Werd mal nicht lustig, Freundchen. Ich bin Barnabas, gestatten?«, dabei reichte er dem unsicher wirkenden Fremden seine rechte Pranke, die dieser ergriff, wobei ergriff falsch gewählt, es war mehr ein eingespannt und zerquetscht werden, was dem Fremden zwar Tränen in die Augen drückte – Barnabas ahnte ja nicht, dass genau dieselbe Hand vor ein paar Minuten ein Elefantenschweres Holzbrett stemmen musste – aber dennoch keinen anderen Ton über dessen Lippen ließ, als dem, durch die Zähne gepressten, »angenehm, Pech.«
Barnabas ließ los, schlug dem Hänfling auf die Schulter und fragte, »wohnst du hier? Bist du der Enkel aus … wo kommst du noch mal her?«
»Äh … nein. Kein Enkel. Pech. Peter Pech ist mein Name. Ich bin Schriftsteller, also ja genau genommen … bin ich noch dabei einer zu werden, und habe … nun ja, eine Schreibblockade, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich suchte die Stille. Darum bin ich hier. Nah am Wald. Sehr einsam. Sie verstehen?«
»Aha. Eine Blockade. Na, dich werden wir hier schon locker kriegen. Ha-ha-ha-ha-ha«
»Ich bevorzuge die Einsamkeit. Ich deutete es eingangs an …«
»Sag mal, haben die dein Sprachzentrum mit Weichspüler poliert, oder wieso schwafelst du? So Klugschwätzer, wie dich, fress ich ja zum Frühstück. Ha-ha-ha-ha-ha … aber mal zum Eigentlichen, Kaffee?«, er deutete auf die blaue Thermoskanne, »ist da Kaffee drin?«
Peter Pech nickte ihm brav zu. Barnabas kam sich vor wie sein früherer Mathelehrer, dem haben auch alle brav zugenickt, wenn der mit dem Lineal im Takt in die flache Hand schlug, während er das Einmaleins abhörte.
»Dann gib doch mal die Tasse und lass uns gemütlich hinsetzen. Sind das Milchbrötchen daneben?«
Peter Pech nickte erneut. Er langte nach zwei Tassen, die über dem Spültisch an einem Regal hingen und stellte sie zusammen mit Thermoskanne und Milchbrötchenteller auf den Tisch.
»Bitteschön«, sagte er und schenkte ihm und sich selbst den dampfenden und duftenden korngesunden Landkaffee ein.
Als er den ersten Schluck vorsichtig schlürfte, verzog er das Gesicht.
»Tja, Fremder, der Rübenbauer lebt gesund. Ha-ha-ha-ha-ha-ha«
»Das, ehm, war nur im ersten Moment ungewohnt für mich. Ich rechnete mit Bohnenkaffee, Herr …?«
»Nenn mich Barnabas. Alle nennen mich hier Barnabas. Ich lebe erst seit ein paar Monaten hier, aber die Leutchen im Dorf sind nett. Zumindest werfen Sie einem nicht die Fenster ein oder zerstechen die Reifen. Ha-ha-ha …«
»Barnabas, gut!«, fiel ihm der Hänfling ins Gelächter, »das kann ich mir gut merken. Auch Sohn des Trostes genannt. Ein Heiliger, der aus Zypern stammte. Ich hielt in der Oberstufe ein Referat über ihn … dass ich mich nach so langer Zeit noch entsinne … ahem, Milchbrötchen, Herr Barnabas?«
»Wie sehen die denn aus?«
Peter Pech zuckte mit den Schultern, »lassen Sie mir ruhig das mit dem Loch. Mir macht das nichts aus«, antwortete er, griff zu und biss herzhaft hinein. Sein Kauen wurde langsamer, er sah gierig nach der Tasse Muckefuck.
»Trocknes Gelumpe, was?«, kicherte Barnabas und tunkte sein Stückchen in die Tasse, während Pech einen großen Schluck hinterher trank, um den Mund leer zu bekommen, sich dabei verbrühte, zum Wasserhahn stürzte und seinen Mund darunter hielt. Statt des erhofften kalten Strahles, lief jedoch nur ein lächerlicher Rinnsal und brachte wohl nur wenig Linderung. Die Luft einziehend setzte er sich mit rotem Kopf zurück an den Tisch.
»Tat’s weh?«
Der Hänfling nickte.
»Wohnst du oben in der Kammer?«, schmatzte Barnabas, »ist alles in Ordnung mit dem Loch?«
»Ahem, danke, dass Sie das fragen, Barnabas«, er schob Tasse und Teller weit von sich, »wenn Sie mir behilflich sein könnten, nach einem geeigneten Brett zu suchen. Ich müsste meine Schlafstelle etwas untermauern. Ich schliefe sonst auf dem Fußboden, fürchte ich.«
»Untermauern. Mit einem Brett.«
»Nun. Für etwas Stabilität sorgen … kennen Sie sich hier aus?«
»Ja, wir sehen am besten im alten Stall nach. Der Rübenbauer müsste ja auch gleich hier sein …«
»Ach, ihn will ich damit ungern behelligen. Mir wäre es schon lieber, wenn …«
»Dann los, komm mit, du Knülch! Wir suchen dir eine hübsche Untermauerung für deine erste Nacht … Ha-ha-ha-ha-ha.«

FORTSETZUNG FOLGT

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