auf dem holzweg


Auf dem Holzweg – Ein Aufwärmtext, weil’s Spaß macht.

Im Frühling, wenn die Bananen ins Land fliegen und Milch und Honig von den Halmen tropft, wartet man im Hause meist vergeblich auf giftgrüne Sumpfnattern. Man hätte sie ja gerne der Schwiegermutter unters Laken geschoben oder dem Dorfrechten um das Kreuz geschlungen. Doch was soll man machen? Die Bananen fliegen hoch und die Nattern verschwinden züngelnd im Morast. Auch mir erging es einmal so.

Meine Schwiegermutter war eine Ausgeburt an Herzlichkeit. Eines Tages half sie mir beim schmutzige Wäsche Waschen. Wir stahlen sie beim rechten Nachbarn vor der Haustür und tauschten sie mit der vom linken aus. Das Handgemenge, das sich zwischen den beiden daraus ergab, hatte sich mit Kernseife gewaschen. Aber ordentlich! Vormittags bauten wir darum vor den Fenstern unser Oma ihr klein Häuschen eine erste Reihe auf und boten billige Plätze für Katastrophentouristen. Am Abend versoffen wir die übrige Zeit.
Noch während sich im Anschluss an den Lästerwettstreit die Dorfgemeinschaft ihre Wunden leckte, ging über den Bergen immer, immer wieder die Sonne auf. »Merci Cheri«, hauchte ich ihr schmachtend entgegen und ahnte nicht, dass das nicht das Letzte sein würde, was ich tat.

Meine Schwiegermutter bereitete am Morgen darauf ein schrecklich leckeres Vier-Gänge-Menü zu und pünktlich, als niemand kam, stand das Essen kalt auf dem Tisch. Draußen plätscherte weiter verträumt Milch vor sich hin, mündete in den Fluss aus Honig und applaudierte zum Eiertanz der fahrenden Jungfrauen.
»Was für ein schönes Land«, sinnierte ich.
»Ja, fast wie ein Frühlingsmärchen«, stimmte Oma mit ein und drehte zur Untermalung auf ihrem Eintopf ein Burnout. Ich sah ihr durch mein Fenster zum Hof zu und klatschte Beifall. Plötzlich gab mit einem kräftigen Satz die Höllenmaschine den Geist meiner Oma auf und warf sie von sich. Das Zweirad trudelte knirschend bis zum Ende aller Tage und Oma fuhr zu besagter Hölle.
Ich sah ihr lange nach und schickte eine Träne auf Reisen. Die Schwiegermutter indes kochte vor Wut das Essen noch eimal auf und schlug mir sieben Zeichen um die Ohren. Das war zu viel des Guten.
»Weil ich dich liebe«, schrie ich ihr ins Gesicht, »werde ich dich von allen guten Geistern verlassen lassen. Nimm dein Brot und spiele mit jemand anderem! Dein ist die Macht, doch weil ich ’n Mädchen bin, werde ich dir bei Vollmond ein Denkmal setzen«.

Nur ein Wort hätte damals genügt von ihr und ich hätte die Suche nach der giftgrünen Sumpfnatter gar nicht erst begonnen. Doch schweigend hatte sie das Silber vom Tisch geräumt und ihren Goldklumpen gegen ein gelocktes Hausschwein getauscht. Zu spät für mich. Ich war längst zu einer Ernährung gewechselt, die keine Augen auf mich gerichtet mehr duldete. Traurig und verstoßen knabberte ich, was die Erde mir freiwillig gab. Einmal stand ich tagelang unter einem Apfelbaum und wartete so lange, bis ich in die Rinde kratzte, wie das mit den Blumen und den Bienen funktioniert. Ich sah hinauf und musste akzeptieren, dass die weißen Blüten über mir vertrocknet waren.
»Summ-Summ-Summ«, sang ich verzweifelt und vergebens, denn ein Apfel wuchs mir daraus nicht.

Bald war ich nur noch ein Strich in der Landschaft, der auf dem Holzweg feststeckte und Liebeslieder auf dem Kamm blies. Als mir irgendwann Asche vom Haupt flog, weil ein armer Wandersmann an mir ein Licht angezündet hatte, schrie ich den Fluch des Pharaonen und träumte mir Drei von der Tankstelle. Während ich schlief, teilten wir uns auf Wolke sieben die Feuerzangenbowle und bissen anschließend ins Gras.  Ich wäre gern geblieben, doch irgendwann graute es dem Morgen und ich erwachte. Was sollte bloß werden? So abgebrannt kam ich doch nie mehr vom Fleck. Traurig sah ich den Bananenzügen hinterher. Und Sie wissen ja, im Frühling, wenn die Bananen ins Land fliegen und Milch und Honig von den Halmen tropft, wartet man im Hause meist vergeblich auf giftgrüne Sumpfnattern. Also bin ich immer noch auf dem Holzweg und hüte mich vor dem Morast. Guten Tag!

P.s. Ich liebe meine Schwiegermutter.

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