in einer bar


Irgendwo,
hinter den Fensterscheiben einer Bar.

»Willst du«,
fragt er und löscht
das Flackern ihrer Blicke
mit dem Griff nach seinem Handy,
»schon mal die Rechnung kommen lassen?«

Sie nickt,
mit jedem Schritt
einen Schritt mehr entfernt vom WIR,
fällt Kälte herab von seinem Mantel
den Traum erstickend,
der aus ihren Augen blickt.

Die Jukebox ignoriert
den Wunsch nach Klageliedern
und zieht die Sohlen der Frau
fast schwebend im Takt
über die Bodenfliesen.
Sie dreht sich
der Tür entgegen
und sieht ihm nach.

Wie er geht, fast flieht.
Vor sich und ihr,
die ihn mit sich
zum Betrügen reizte.
Kosten, was es wolle,
würden sie einander …
er wird es nie.

»Feigling«, entrinnt es
zwischen den Wimpern.
»Egal«, tropft Enttäuschung
zeichnet Einbahnstraßen schwarz,
vorbei an kalten Lippen.

»Willst du?«,
fragt ein Blick
im Schein der Bar,
sie nickt.
Am Tresen reicht Verführung
lächelnd ein Taschentuch.
Lächelt auch noch,
als sie die Tür verschließt.

Stoff fallen lassend,
mit jedem Schluck
einen Schluck mehr zum WIR,
den Traum erhebend,
der noch erhitzt
auf ihren Wangen
nach Erfüllung sehnt.

***

Unter Kontrolle
zieht er den Fahrschein
zum letzten Zug,
den Ring
auf dem Finger,
sich selbst mit sich,
betrogenen Schrittes.

»Ich war noch niemals in New York«,
pfeift seine Frau,
zupft ihm ein Haar von der Schulter,
»schön,
dass du wieder da bist.«

Zur selben Zeit beschlagen
irgendwo
die Fensterscheiben einer Bar.

© Jo Lenz, 31.01.2014 (Twittercollage)

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